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Warum erkranken infizierte Affen nicht an AIDS?

12. März 2018/in Infektiologie/von Praxis News

Schon seit längerer Zeit beschäftigen sich Forscher mit der Frage, weshalb einige Affenarten nicht an AIDS erkranken, obwohl sie mit nahen Verwandten des HI-Virus infiziert sind. Die entscheidenden Unterschiede zum menschlichen Immunsystem hat eine internationale Forschergruppe nun möglicherweise identifiziert. Anders als bei HIV-infizierten Menschen kommt es bei einigen Primatenarten nicht zu einer chronischen und damit schädlichen Immunreaktion. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler, darunter Virologen der Universität Ulm, in der hochrenommierten Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Die neuen Erkenntnisse tragen zu einem besseren Verständnis des Infektionsverlaufs bei und ermöglichen auf längere Sicht womöglich auch eine Verbesserung von HIV-Therapien.

Zurück zum Ursprung

Der AIDS-Erreger des Menschen (HIV) hat seinen Ursprung in Immunschwächeviren (SIV) verschiedener afrikanischer Affenarten. Varianten dieser Viren sprangen vermutlich im frühen 20. Jahrhundert durch die Jagd auf Affen und den Verzehr von kontaminiertem Fleisch auf den Menschen über. Doch im Gegensatz zum Menschen zeigen diese Affenarten auch viele Jahre nach einer SIV-Infektion keine Immunschwäche. Zu ihnen gehört beispielsweise die in Westafrika beheimatete Rußmangabe.

Um herauszufinden, wie diese Primaten eine AIDS-Erkrankung verhindern, haben Forscher von der Emory University (USA) das Erbgut der Rußmangabe vollständig entschlüsselt und mit dem Genom des Menschen sowie anderer Primatenarten verglichen. „Wir haben große Unterschiede in einigen Proteinen des Immunsystems entdeckt, die den gutartigen Infektionsverlauf von SIV in Rußmangaben erklären könnten“, berichtet Dr. David Palesch, der nach seiner Promotion in Ulm an der Emory University forscht. Besonders fielen den Forschern Veränderungen in einem bestimmten Eiweiß auf, dem sogenannten TLR4-Rezeptor. Dieses Protein spielt eine wichtige Rolle bei der Erregerabwehr. So hilft es beispielsweise dabei, eindringende Bakterien zu erkennen und das Immunsystem zu aktivieren. Im Unterschied zum Menschen scheint diese Funktion bei einigen Affenarten weniger stark ausgeprägt zu sein.

„Mittels verschiedener Methoden konnten wir nachweisen, dass der TLR4-Rezeptor der Rußmangabe nur eine geringe Aktivität aufweist“, erläutert Daniel Sauter, Juniorprofessor am Ulmer Institut für Molekulare Virologie. Bei diesen Affen bleibt eine Aktivierung des Immunsystems nach einer SIV-Infektion also weitestgehend aus. „Dies könnte der Grund sein, weshalb diese Affen nicht mit einer unkontrollierten Abwehrreaktion auf eine SIV-Infektion reagieren und keine Immunschwäche entwickeln“, so Daniel Sauter.

Die chronische Immunaktivierung ist das Problem

Die fehlende Reaktion auf das Virus scheint den Affen also trotz hoher Virusmengen im Körper einen Überlebensvorteil zu verschaffen. Was zunächst paradox klingt, lässt sich durchaus plausibel erklären. So ist gerade die chronische Aktivierung des Immunsystems infolge einer HIV-Infektion beim Menschen ein großes Problem. Durch den ständigen Kampf gegen das Virus verbraucht sich das menschliche Immunsystem ohne dabei entscheidende Erfolge gegen die Infektion zu erzielen. Auf Dauer wird die Abwehr des Körpers immer schwächer und kann nicht mehr adäquat auf lebensbedrohliche Erreger reagieren.

Im Gegensatz dazu toleriert die Rußmangabe die SIV-Infektion. So ist sie in der Lage, eine gesunde Anzahl von Immunzellen lebenslang aufrechtzuerhalten.

Forscher entdecken veränderte Rezeptoren

Auch bei weiteren natürlichen SIV-Wirten, wie der Grünen Meerkatze oder dem Angola-Stummelaffen, hat die Forschergruppe die Veränderung im TLR4-Rezeptor entdeckt. Beim Menschen oder Rhesusaffen, die beide eine chronische Immunreaktion zeigen und an AIDS erkranken, ist sie hingegen nicht vorhanden.

„Wir vermuten, dass die natürlichen Wirte von SIV im Laufe ihrer Evolution Veränderungen im TLR4-Gen entwickelt haben, die eine friedliche Koexistenz mit Immundefizienzviren ermöglichen – ganz ohne eine Immunschwäche zu entwickeln“, erklärt Professor Frank Kirchhoff, Direktor des Ulmer Instituts für Molekulare Virologie.

Neue Ansatzpunkte für die Therapie

Mit ihren Untersuchungen haben die Forscher neue Erkenntnisse gewonnen, wie die Entwicklung von AIDS verhindert werden könnte. Das Genom der Rußmangabe liefert dabei wichtige neue Ansatzpunkte für weiterführende Untersuchungen. Die Forscher hoffen, dass dadurch neue Wege gefunden werden, die schädliche chronische Aktivierung des Immunsystems durch HIV zu verhindern. Denn diese unkontrollierte Abwehrreaktion ist selbst bei optimaler Therapie zu beobachten und kann unter anderem zu einer vorzeitigen Alterung von HIV-Patienten führen.

 

Quelle: Universität Ulm

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