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Vegetarier erleiden weniger ischämische Herzerkrankungen

31. Oktober 2019/in Medizin, Allgemeinmedizin/von Praxis News

Forscher aus Großbritannien untersuchten den Zusammenhang zwischen unserer Ernährung und dem Auftreten von Herz- und Gefäßerkrankungen. Vegetarier erlitten dabei zwar weniger Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße. Allerdings war die Rate an Hirnblutungen leicht erhöht. Insgesamt überwog dennoch der Nutzen der vegetarischen Kost  dieses Risiko.

Schlaganfälle sind dritthäufigste Todesursache

In Deutschland erleidet alle zwei Minuten ein Mensch einen Schlaganfall. Dabei kommt es zu einem „schlagartig“ einsetzenden Funktionsausfall des Gehirns. In mehr als Dreiviertel der Fälle handelt es sich um einen Hirninfarkt aufgrund der Verstopfung eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel, dem sogenannten ischämischen Schlaganfall. Infolge der Durchblutungsstörung erhält das Gehirn nicht mehr genügend Sauerstoff. Kommt es dagegen zu einer Einblutung in das Hirngewebe durch das Platzen eines Gefäßes im Gehirn, sprechen die Mediziner von einem hämorrhagischen Schlaganfall.

Die Folgen sind in vielen Fällen gravierend und das Leben der Betroffenen und ihrer Familien verändert sich von einem auf den anderen Tag. Zudem sind Schlaganfälle die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für körperliche Langzeitbeeinträchtigungen im Erwachsenenalter. Umso ermutigender sind neueste Ergebnisse aus der Schlaganfallforschung, die zeigen, dass sich die Todesrate und die Schwere der Behinderungen nach überstandenem Schlaganfall weiter reduzieren lassen.

Jede Minute zählt

Ist es zu einem Schlaganfall gekommen, kommt es auf jede Minute an. Rasches und richtiges Handeln kann Gehirnzellen und damit Leben und Lebensqualität retten. Durch einen schnellen Transport in eine Klinik mit einer spezialisierten Schlaganfallstation (Stroke Unit), besteht die Chance, dass neurologische Ausfälle weitgehend oder sogar vollständig erfolgreich behandelt und die ausgefallenen Funktionen wiederhergestellt werden können.

Wichtig ist, die Blutversorgung unverzüglich wiederherzustellen, indem das Gerinnsel entfernt oder aufgelöst wird. Dafür stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. So werden bei der Lysetherapie verschiedene Medikamente infundiert, die das für die Blutgerinnung verantwortliche Eiweiß Fibrin zersetzen. Das Gerinsel löst sich somit auf. Ein anderes Verfahren ist die Thrombektomie. Hier wird der Blutpfropf per Kathetereingriff aus dem verstopften Blutgefäß entfernt.

Bisher galt, dass die Thrombolyse innerhalb von 4,5 Stunden erfolgen muss, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Untersuchungen aus jüngster Vergangenheit konnten nun zeigen, dass bei bestimmten Voraussetzungen das Zeitfenster länger ist als bisher angenommen. Demnach bestehen bis zu neun Stunden nach dem Schlaganfall durchaus Chancen, schwere Folgeschäden für den Patienten zu verhindern. Eine Thrombektomie kann sogar bis 24 Stunden nach dem Eintreten durchgeführt werden. Wie eine deutsche Studie zeigte, konnte mit dieser Methode die Durchblutung bei 83 % der Patienten wiederhergestellt werden.
„Dennoch gilt weiter die Regel `Time is Brain´ – keinesfalls soll der Eindruck entstehen, dass man sich nun mehr Zeit lassen darf. Patienten mit Schlaganfall müssen schnellstmöglich versorgt werden“, appelliert Professor Dr. med. Martin Dichgans der Universitätsklinik München.

Fleischverzicht beugt vor

Oberste Priorität hat jedoch nach wie vor die Prävention, damit es erst gar nicht zu einem Schlaganfall kommt. Neben ausreichend Bewegung ist eine gesunde Kost eine wichtige Maßnahme, um das Schlaganfallrisiko zu senken. Dies zeigte eine Studie, deren Ergebnisse im Sommer veröffentlicht wurden. Dabei teilten die Forscher 48.188 Menschen ohne bekannte kardiovaskuläre Vorerkrankungen in drei Gruppen ein – „Fleischesser“ (n= 24.428), „Fischesser“ (n=7506) und Vegetarier (n=16.254). Danach wurden alle Teilnehmer über einen medianen Zeitraum von über 18 Jahren beobachtet. Hier zeigte sich, dass „Fischesser“ ein um 13%, Vegetarier sogar ein um 22% reduziertes Risiko für ischämische Herzerkrankungen aufwiesen. Allerdings traten in der Gruppe der Vegetarier etwas häufiger Hirnblutungen auf. „Der Nutzen der vegetarischen Kost im Hinblick auf ischämische Ereignisse überwog aber ganz klar das erhöhte Risiko für Hirnblutungen“ so die Einschätzung von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Häufig  ein ganzes Bündel an Risikofaktoren

„Bekannt ist, dass ein hoher Fleischkonsum nicht zuträglich für die Gesundheit, insbesondere die Gefäßgesundheit ist, außerdem auch die Umwelt belastet. Aber ein Schlaganfall wird meistens durch mehrere Risikofaktoren ausgelöst: Wer viel am Schreibtisch sitzt, sich wenig bewegt und womöglich auch noch raucht oder viel Stress hat, hat ein deutlich höheres Schlaganfallrisiko“, erklärt Professor Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

Häufig ist also ein ganzes Bündel an Risikofaktoren, die sich im Laufe des Lebens entwickeln, Ursache für einen Schlaganfall. Deshalb gilt es, durch Vorbeugung das Gesamtrisiko zu senken. Insbesondere mehr Bewegung und bewusstere Ernährung, Stressabbau sowie Nikotin- und Alkoholverzicht sind die aussichtsreichsten Maßnahmen, um über eine Änderung des Lebensstils einen Hirninfarkt zu vermeiden. Ein erhöhter Blutdruck muss konsequent behandelt werden und beim Vorhofflimmern, einer häufigen Form des Herzstolperns, können Schlaganfälle durch eine rechtzeitige Blutverdünnung verhindert werden.

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

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